meinung von clemens pollok, architekt zur ausstellung > w a s s e r < in wörthsee oktober 2oo8
Das >blickwerk< Sanne Blessings nimmt als Ausgangspunkt den unmittelbaren Lebensraum. Unsere Welt, alle Dinge, die uns umgeben, sind den 4 Urelementen, Feuer, Wasser, Erde, Luft ausgesetzt. Im Spiel mit diesen Elementen offenbart die ihr innewohnenden Dinge ihren Charakter, ihr Wesen. Oberflächen bekommen Masse und Farbe, Figuren und Muster, Strukturen und Schichten, Transparenzen und Schlieren. Mehr noch, es entstehen Bewegungen, Grenzen weichen auf, Übergänge beginnen zu verfließen. Die Arbeiten begeben sich auf die Suche nach diesen feinen Spannungen, Überlagerungen und Übergängen zwischen Endlichkeit und Entrücktheit, zwischen Starre und Beweglichkeit, zwischen Fluss und Wiederkehr, zwischen Vielfalt und Einzigartigkeit.
Auf der Suche nach dem Dahinter oder Darunter wird zunächst der Blick durch die Kamera gelenkt und eingeengt, um gleich darauf in dem eingeschränkten Motiv eine neue tiefere, intensivere Blickwelt zu eröffnen.
Diese neu entdeckte, unendlich reiche Welt erinnert den Betrachter an seine eigene innere Welt, seine fühlende Weite, bringt ihn in Kontakt mit der Chance sehend zu fühlen.
Unter der Anleitung der Bilder und Bildkompositionen Sanne Blessings kann der Betrachter seine eigenen Sehgrenzen überschreiten, seine Sinne weiten und neuen Raum gewinnen ohne den Boden des Konkreten zu verlassen. Alle dargestellten Motive sind Teil unserer Wirklichkeit und in jedem Moment als solche identifizierbar.
Auf dem Weg durch die Ausstellung wird sichtbar, welch wertvoller, unerschöpflicher Reichtum an Sichtbarem uns umgibt, der im Letzten auf den unsichtbaren, inneren Reichtum und Möglichkeit zur Tiefe unserer Wahrnehmung und Intensität verweist.
auszug aus veröffentlichung in starnberger merkur von astrid amelungse-kurth o7.1o.2oo8
Ein Kniefall vor Mutter Natur
´Seele des Menschen, wie gleichst du dem Wasser!`, ließ Goethe die Geister singen, eine Hymne an die Ungründlichkeit. Wasser ist Quell des Lebens, es reinigt, tötet und belebt und steht in archaischen Kulturen für Wiedergeburt und Neubeginn. In der Bibel taucht der Gedanke vom ´Wasser der Weisheit´ auf, in der Tiefenpsychologie ist das dunkle Wasser Symbol des Unbewussten. Für Sanne Blessing, .... , ist das Wasser wie es in der Natur in Flüssen und Seen vorkommt, vor allem Spiegelung, Schichtung, Oberfläche. Seine Wahrnehmung bedeutet ihr Irritation, seine Transparenz ein Spiel mit Licht, Materie, Tiefe, Untergrund, Struktur. Dies festzuhalten, hat sich die Künstlerin, ...., zur Aufgabe gemacht und für die Flugkunst-Ausstellung in Weßling einen transparenten Teppich aus fotobedruckten Plastikfolien zusammengenäht - mit Plastik-Kabelklemmen, die durch die weitmaschigen Ösen dem Ganzen schwebende Leichtigkeit verleihen.
Dieses ´Geflecht´, auf dem fotos von Wasserspiegelungen aufgedruckt sind, ist nun neben anderen Wasserfotos in der Galerie... zu sehen. Jedes einzelne Farbfoto ist ein Kniefall vor der Schönheit der Natur, des bewegten Wassers von Seen und Flüssen. Je nach Licht, Untergrund, Himmel, Ufer, das sich im Wasser spiegelt, je nach Bewegtheit und Farbigkeit erscheint das Wasser fest wie Metall, zäh wie Öl, zart wie ein Atemhauch, exotisch wie die Südsee oder abweisend wie Eisnadeln. Sanne Blessing verfügt über eine ungeheure Sensibilität in der Wahrnehmung, formt Materie, löst sie auf und wertet sie um.
auszug aus veröffentlichung in süddeutsche zeitung von ingrid zimmermann 1o.1o.2oo8
Das Abstrakte am Wasser
Wasser, das Lebenselixier unseres blauen Planeten, zieht von jeher darstellende Künstler an, Maler wie Fotografen. Ständig wechseln seine Farben, nie ist es still, auch wenn es so scheinen mag, das Licht versinkt darin und bricht sich, und alles was Form hat rundherum spiegelt sich, während sich im Spiegelbild ständig diese so eindeutige Form verändert. Die Architektin und Fotografin Sanne Blessing ... ist mit ihrer Kamera zu einer gleichermaßen sensiblen wie leibenden Jägerin des Wassers geworden. dazu gibt es im Fünfseenland genügend Gelegenheiten, von sturmgepeitschten Wellen des Starnberger Sees, auf denen Fönlicht des Himmels glitzernd zerbirst, über Eiskanten, an denen nach dem Winter schon das auf Befreiung wartende Wasser leckt, bis zur stinknormalen, in vielen Grautönen schimmernden Pfützen auf einem Gehweg. Dies und noch viel mehr von dem, was das Wasser an Wundern zustande bringt, ist zu sehen. ...
Aus mehr als sechzig Farbaufnahmen, jedes mit eigenem Charakter, hat die Fotografin mit Hilfe transparenter Kunststoffbänder eine Installation zusammengestellt, die frei im Raum hängt und sich, dem Wasser entsprechend, bei jedem Luftzug bewegen kann. Weitere Motive hat sie auf kleine Quadrate aus speziellen Platten, die sich nicht verziehen, aufgebracht. Man kann Serien von ihnen nach Lust und Laune zu eigenen Wandinstallationen zusammenstellen.
Was nicht erwartet werden darf, ist Idylle und Romantik unserer Seenlandschaft. Sanne Blessing gewinnt dem Spiel der Wellen die grafische Seite ab. Licht der Stunde, Himmelstimmung und Wiederschein der Umgebung liefern dazu immer wieder andere Farbklänge. So sind Abstraktionen entstanden, die verwandt zu sein scheinen mit der Farbfeldmalerei, ins Konkrete geholte Ausschnitte aus der Wunderwelt des Wassers, Aufforderungen im Kleinen das Große zu sehen.